Menschen und Multitasking?

Es begab sich kürzlich, dass ich auf der Linie 17 unterwegs war. Ich kam mit meinem Tram am Bahnhofquai an. Das ist – für Nicht-Zürcher und öV-Amateure – eine Station vor der Endhaltestelle der Linie 17 (dem Bahnhofplatz).

Noch während die meisten Leute ausstiegen, sah ich eine junge Dame, die sich in meine offene vorderste Türe bewegte. Dabei schleppte sie einen riesigen Rollkoffer mit sich, bei dem sich wohl nicht mehr alle Rollen geschmeidig drehten, denn sie mühte sich recht mit ihrem grossen Gepäck ab. Gleichzeitig zu ihren Gepäck-Bemühungen telefonierte die junge Dame. In der Folge machte sich dann diese Frau daran, weiterhin telefonierend, ihren schweren Koffer in meine Tram zu wuchten.

„Entschuldigen Sie, sind Sie sich sicher, dass sie in das richtige Tram einsteigen?“

– So meine Frage durch das Führerstansfenster, an eben jene Dame gerichtet. Denn ich konnte nicht erkennen, dass die Frau auch nur einen Bruchteil einer Sekunde mein Tram aktiv angesehen hat, geschweige denn nachgesehen hat, welche Linie ich fahre, und in welche Richtung. Und es ist sehr unwahrscheinlich, dass jemand mit schweren Gepäck in eine Tram steigt, nur um ein paar Meter weit um den Bahnhof herumzufahren. Da wäre man sinnvollerweise gleich auf der Richtigen Seite aus dem Bahnhofsgebäuder herausgelaufen. Die Frage hatte also durchaus Sinn. Jedoch … !

„Aber ja doch!!“

… schallte es etwas entnervt und pampig zurück. Und weiter gings im Telefongespräch und Hereinhieven des schweren Gepäcks.

Na gut! Türen zu, Türen verriegeln. Ich war damit abfahrbereit und wartete nur noch darauf, dass das Signal mir die Fahrt aus der Haltestelle freig ab.

Nun endlich dämmerte der ach so freundlichen Dame direkt hinter mir, dass sie vielleicht doch etwas kopflos einfach nur in das erstbeste Fahrzeug eingestiegen war. Ich hörte mit einem Mal sehr hektische Geräusche hinter mir. Der Koffer wurde wieder in Richtung Türe gestossen, das Telefon fiel zu Boden. Und gleichzeitig sah ich durch den inneren Rückspiegel eine Hand ganz verzweifelt den Türknopf malträtieren.

Seufzend entriegelte ich noch einmal die Türen und gab der Dame Gelegenheit, ihr Smartphone einzusammeln und mitsamt dem Rest ihres Hab und Guts aus meinem Tram heraus zu wuchten.

„Ich wollte ja nur behilflich sein“ – dachte ich mir. Aber Menschen und Multitasking – nein! Das funktioniert nicht. Da kann mir jeder erzählen was er will. Von wegen, dass Frauen dies besser könnten als Männer. Und andere Zeitgenossen, die mir gegenüber behaupten, sie könnten sehr wohl mehrere Sachen gleichzeitig machen. Denen glaube ich nur sehr bedingt.
Nun gut, ich modifiziere meine Multitasking-Behauptung etwas: Multitasking funktioniert durchaus. Aber es erfordert Konzentration. Und diese Konzentration bringt man eben nicht immerwährend auf. Die wenigsten Menschen laufen mit einem immerwachen Geist und Sinn durch die Welt. Wir hängen immer wieder irgendwelchen Gedanken nach, oder eine Tätigkeit beansprucht das Denken so stark, dass wir den Rest der Welt nur noch am Rande wahrnehmen.

Und nicht immer hat eine Fahrgast das Glück, dass ich noch einmal die Türen öffnen kann. In diesem konkreten Falle war gerade hintermir an dieser Doppelhaltestelle kein zweites Tram, welches ich dadurch aufgehalten hätte. Oft genug ist dies aber am Bahnhofquai der Fall. Wir Tramführer haben sogar die ausdrückliche Anweisung, die Fahrgastaufenthalte an dieser Station speditiv abzuwickeln (zumindest untertags im 7.5-Minuten-Takt), damit wir uns nicht gegenseitig im Weg stehen und behindern.

Oft genug wünsche ich mir, dass Menschen Multitasking beherrschen würden!!!

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Tramfahren bei Schnee

Seit einer Woche ist der Winter auch im Schweizer Flachland angekommen. Zürich hat seinen ersten Schnee im Winter 16/17 erlebt, die Strassen und Gehwege präsentierten sich zuerst im jungfräulichen Weiss, später dann im schmutzig-salzigen Schmuddelbraun.

Schnee Höschgasse

Schnee Höschgasse

Wie fährt es sich eigentlich Tram, wenn Schnee liegt??

Die schnelle Antwort wäre: Genau so wie sonst. Schnee macht zwar Strassen rutschig, nicht jedoch Schienen.

Die ausführliche Antwort ist: Bei Schnee fährt sich Tram doch ein wenig anders! Warum?

  1. Rutschgefahr: Ich schrieb ja gerade, dass die Strassenbahnen selbst nicht ins Rutschen kommen. Die Schienen sind bei Schneefall meist schön nass und damit ziemlich griffig. Unserer Bremswege werden also nicht länger. Gleichwohl sind die Strassen dennoch rutschig. Wir Tramführer müssen nun noch mehr (als sonst) darauf achten, was denn all die anderen Verkehrsteilnehmer so machen. Und wie es eben oft so ist: Bei ungewohnten Situationen – Schneefall gehört da auch dazu! – legen viele Verkehrsteilnehmer oft unsinniges Verhalten an den Tag. Vor allem – tut mir leid wenn ich das so deutlich sage – unsere eigenen Kunden und Fahrgäste. Also die Fussgänger. Gerade bei den Fussgängern habe ich das Gefühl, dass sie bei Schneeglätte besonders schnell noch irgendwo über einen Strasse springen wollen. Und dann eben ausrutschen, hinfallen, wenn es dumm läuft direkt vor einem Fahrzeug. Hab ich alles schon erlebt.
    Schnee ist also für uns doppelt anstrengend, weil wir  noch mehr vorausschauend fahren müssen als sonst.
  2. Weisser Mantel: Schnee hat ja eigentlich die wunderschöne Eigenart, alles mit einem weissen Mantel zu überdecken. Was in der Landschaft wunderschön aussieht, ist auf den Strassen für den Verkehr nachteilhaft. Plötzlich erkennt man keine Strassenmarkierungen mehr! Autofahrer wissen nicht mehr, wo sie eigentlich hingehören und fahren nicht mehr in ihren markierten Bereichen. Sondern fahren – natürlich ungewollt – viel mehr in den Spurbereichen der Strassenbahn herum. Und wir Schienenfahrzeuge kommen dann nicht mehr an den stehenden Autokolonnen vorbei, weil diese in unserem Lichtraumprofil sind.
    Aber auch Trams selbst haben Bodenmarkierungen, wie z.B. Punkte für die Weichensensoren, Markierer für Oberleitungs-Unterbrecher, usw.. Diese sehen wir bei Schnee auch nicht mehr. Da sind dann einfach exzellente Streckenkenntnisse gefragt.
  3. Schneehaufen: Je mehr Schnee fällt, desto mehr schieben unsere Räumfahrzeuge diesen irgendwo auf die Seite. Meist natürlich an den rechten Streckenrand. Aber auch schon mal woanders hin. Am rechten Strassenrand macht dann der Schnee die Strasse schmaler, und alle Auto drängen sich dadurch mehr in Richtung Strassenmitte – genau dahin, wo wir Trams fahren. Und so  –  siehe auch schon oben bzgl. Markierungen – kommen sich Autos uns Trams in die Quere.
    Schneepflug

    Schneepflug

    Aber ich sehe auch immer wieder Schneehaufen der Räumfahrzeuge mitten auf den Schienen. Bei kleineren kann ja mal noch (vorsichtig) hindurch fahren. Wenn man vorher das sog. Fallgatter hoch gebunden hat. Das Fallgatter ist (bei älteren Trams) eine Sicherheitsvorrichtung vorne unten am Bug des Wagens, das herab fällt, wenn es gegen einen festen Gegenstand stösst. Es soll verhindern, dass ein Tram diesen Gegenstand (oder Person!!) überrollt. Im Winter nun, könnte so ein fester Gegenstand dann auch ein Schneehaufen sein – und das Fallgatter würde wie eine riesige Schneeschaufel funktionieren. Und dabei meist Schaden nehmen. Und wenn es dumm läuft, dann bricht es, das Tram fährt über sein eigenes Fallgatter drüber und entgleist dabei. Also: Hoch binden!! Und doppelt vorsichtig fahren!
    Bei grossen Schneehaufen müssen auch Strassenbahnen anhalten. Zu gross ist die Gefahr, dass das Fahrzeug aufsitzt und steckenbleibt bzw. entgleist.

  4. Weichenheizung

    Weichenheizung

    Schnee und Weichen: Die allermeisten Strassenbahnweichen in Zürich sind beheizt. Und das ist auch notwendig, dann sonst würden sie im Winter unweigerlich zu gefrieren und nicht mehr korrekt die Zungen beim Stellen umlegen. Wenn nun aber mal doch ein sehr knüppelharter Eisbrocken in die Weiche gerät, oder wenn vom Autoverkehr sehr viel pappiger, nasser Schnee in die Weiche hinein gewalzt wird, dann kommt die Heizung nicht mehr hinterher. Liesse man ihr 30 Minuten Zeit, um das weg zu tauen, dann schon. Aber unsere Weichen werden teilweise im Minutentakt hin- und her gestellt. Dann sind Weichenstörungen nicht ungewöhnlich. Und das – liebe Leser – ist für mich persönlich das grösste Übel am Schnee. Mit allen anderen Schwierigkeiten komme ich zurecht. Aber wenn eine Weiche nicht richtig stellt, dann muss ich einfach stehenbleiben, aussteigen und die Weiche selbst sauber putzen. Glauben Sie mir, das ist nicht in 20 Sekunden erledigt, das dauert gerne mal einige Minuten. Minuten, in denen unserer Fahrgäste sehr schnell ungeduldig werden.

Das sind die wichtigsten Herausforderungen beim Tramfahren im Schnee. Es gäbe noch ein paar mehr. Z.B. erhöhtes Fahrgastaufkommen, weil der Gewohnheitsautofahrer dann mal doch sein Fahrzeug stehen lässt und mit dem ÖV fahren will. Oder Alt-Eis in den Schienenrillen, welches auch schon mal ein Tram entgleisen lassen kann, weil es in der Rille auf dem Eis aufsitzt – so etwas ist bspw. vor ca. 2 Jahren am Sternen Oerlikon passiert.
Wenn also bei Schneefall Ihr Tramführer etwas gestresst aussieht – dann glauben Sie mir bitte, dass er nicht einfach nur keine Lust am Beruf hat. Sondern er ist tatsächlich im Stress. Weil Tramfahren im Schnee doch nicht ganz so leicht ist.

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Individuelle Dienstplanung – erstes Fazit

Meine Arbeitgeberin strickt schon seit Jahren an einer „Individuellen Dienstplaung“ (IDP). Der Gedanke hinter diesem Kürzel IDP ist schlicht und raffniert zugleich. Jeder Fahrdienstmitarbeiter (der beim IDP mitmacht) kann sich seine freien Tage und seine Schichtlagen an den Arbeitstagen wünschen. Eine Software rechnet dann ein für alle möglichst befriedigendes Ergebnis aus.
Das funktioniert natürlich nur gut, wenn wir Tramführer und Busfahrer unterschiedliche Wünsche eingeben. Will bspw. jeder an Silvester frei haben, dann werden doch etliche diesen Wunsch nicht erfüllt bekommen.

IDP

IDP

Seit Herbst 2016 läuft nun im Depot 4 (in dem ich arbeite) ein IDP-Pilotprojekt. Bei dem ich mitmache. Zeit, ein erstes Fazit zu ziehen.

1. Freie Tage

Im Zeitraum von Oktober 2016 bis März 2017 habe ich mir 77 mal einen freien Tag gewünscht. Davon wurden mir 72 mal der Wunsch erfüllt, 5 mal nicht.
Daneben teilte mir das System noch eine ganze Reihe freier Tage zu, die ich gar nicht eingegeben habe. Die nehme ich zwar gerne an, aber ich lasse diese Tage nicht in die Berechnung einfliessen.
Erfüllungsquote freie Tage: 93.5 %

2. Schichtlagen

An den Tagen, die ich arbeite, habe ich zwischen 1. Oktober 2016 und 15. Februar 2017 insgesamt 72 Eingaben für bestimmte Schichtlagen getätigt. Also bspw. einen Spätdienst am 27.12. und 28.12. usw… Von diesen 72 Eingaben wurden mir 64 exakt erfüllt, die restlichen 8 wurden mir zwar nicht erfüllt, aber die zugeteilte Schichtlage ist zumindest nahe am eingegebenen Wunsch (also maximal um 2-3 Stunden veschoben).
Letzlich musste ich jedoch nur einen einzigen privaten Termin in diesem Zeitraum verschieben. Was dann 71 von 72 mir angenehmen Schichtlagen entspricht.
Erfüllungsquote Schichtlagen: 88.9 % (bzw grosszügig gesehen 98.6 %)

3. Wünsche mit Prioritätspunkten

Wenn uns ein Wunsch (frei oder Schichtlage) wichtig ist, können wir diese Eingaben mit sog. Prioritätspunkten gewichten. Monatlich stehen uns eine gewisse Anzahl diser Prio-Punkte zur Verfügung.
Sämtliche Wünsche, die ich gewichtet habe, wurden mir bisher erfüllt.
Erfüllungsquote bei Prio-Punkt-gewichteten Eingaben: 100 %

4. Fazit und Anmerkungen.

Volltreffer!! Mehr kann ich dazu nicht sagen. Ich bin hochzufrieden.

Von Arbeitskollegen höre ich jedoch, dass nicht jeder so zufrieden mit IDP ist. Wohl nicht bei jedem ist die Erüllungsquote so hoch wie bei mir. Warum dies so ist, kann ich natürlich nicht wissen, aber ich habe ein paar Erklärungsansätze.

  • Ich habe mir relativ oft die vielerorts unbeliebten „Zweiteiler“-Dienste gewünscht. Viele Fahrer mögen diesen Dienste nicht, weil sie meist eine sehr lange Pause zwischen den beiden Diesntteilen haben. Ich jedoch komme mit den „Zweiteilern“ gut zurecht, weil ich dann heimgehe und daheim den Tag nutze – kurzer Arbeitsweg sei Dank.
  • Ich arbeite nur zu 80%. Das engt mich in Sachen Arbeitszeitgesetz (AZG) bei weitem nicht so ein wie Kollegen, die zu 100% arbeiten. Dementsprechend stösst die Software bei mir wohl weniger an das sog. „AZG-Korsett“, wenn es die Diesnte berechnet.
  • Ich habe bei den Eingaben darauf geachtet, dass die nächtlichen Ruhezeiten nicht kurz sind. Denn genug Schlaf während der Arbeitswoche ist mir wichtig. Auch wenn das bedeutet, dass der letzte Tag der Arbeitswoche vielleicht nicht schon am frühen Nachmittag zu Ende ist. Schichtwünsche mit etwas längeren Nächten kann das System aber leichter erfüllen, weil (siehe oben) der Spielraum in Bezug auf das AZG grösser ist.

Wenn es also nach mir ginge, dann sollte IDP unbedingt übe die Testphase hinaus weiter angeboten werden. Ich will nicht mehr in den Turnus zurück.

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Geperrt ….

Sperrung Hubertus

Sperrung Hubertus

Kürzlich morgens gegen 9 Uhr kurz hinter dem Hubertus (Zürich). Selten hatte ich es als Trampilot so einfach, meinen Fahrgästen zu erklären, warum ihr Tram nun mitten auf der Strecke stehen bleiben muss. Als ich ankam, zog ein Polizist gerade das Absperrband quer über die Strasse.

Und die die Fahrgäste mussten ja nicht weit laufen. Einmal (links) durch diesen Ort des Polizeieinsatzes durch, weiter hinten konnten sie dann auf den Buss 33 zur Weiterfahrt warten.
 
Nach 20 Minuten ging es aber auch für mich wieder weiter…..
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Müde vom Zürifäscht

Orang-Utan im Hagenbeck Tierpark Hamburg

Orang-Utan im Hagenbeck Tierpark Hamburg

Alle drei Jahre wird Zürich zum Tollhaus. In der gesamten Innenstadt werden Fressbuden, Getränkestände, Fahrgeschäfte, Attraktionen, Abfallcontainer und Zusatztoiletten aufgebaut. Und dann kommt für drei Tage die halbe Schweiz in die Limmatstadt und lässt die Sau raus.

Trampiloten und Buschauffeure hingegen haben an diesen Tag eher wenig zu feiern. Denn wir fahren zwei Nächte lang durch, transportieren Feuerwerksbesucher, Partygänger, Alkoholleichen und delirant Ausfällige dann kreuz und quer durch die Stadt. Na ja, nicht gerade durch die Stadt, denn die Innenstadt ist ja Partymeile, aber aussenherum dann schon.

Mich hat es dieses Jahr recht bös getroffen. Mein Dienstplan sah vor, dass ich sowohl am Freitag als auch am Sonntag arbeiten sollte. Dazu kam, dass ich bereit am Freitag vier Arbeitstage (von Montag an) in den Knochen hatte, und dass ich über den Sonntag hianus noch bis Dienstag würde fahren müssen. 5 Tage Arbeit, 1 Tag frei, 3 Tage Arbeit, dann erst wieder ein „Wochenende“. Soweit zur Theorie.

Durch ein unglückliche Dienstzuteilung hatte ich aber dann in der Nacht von Freitag auf Samstag eine Nachtschicht zugeteilt bekommen. Ich pilotierte mein Tram von 10 Uhr abends bis in der Früh um halb 8. Und am Sonntag bekam ich einen Frühdienst zugeteilt, der um 4 Uhr morgens anfing. Mein eigentlich vorgesehener Ruhetag am Samstag löste sich somit in Schall und Rauch auf. Ich war nicht sehr erfreut (gelinde ausgedrückt), aber ich nahms auch sportlich und ging die Sache an.

Wenn ich schlafen wollte, sollte ich arbeiten, und wenn ich dann noch nicht müde war, hätte ich schlafen sollen, um für die folgenden Stunden wieder fit zu sein. Dass man nur sehr schlecht auf Vorrat „vor“-schlafen kann (ich jedenfalls nicht), sollte eigentlich jedem bekannt sein, der schon mal im Schichtdienst gearbeitet hat. Und das hatte dann zu Folge, dass ich am Sonntag kurz vor Schichtende beinahe kapitulieren musste. Ich war drauf und dran, mich wegen akuter Müdigkeit ablösen zu lassen. Ein starker Kaffee an einer Endhaltestelle und was Süsses (für einen Blutzucker-Push) brachten mich dann aber noch die restlichen 90 Minuten meiner Arbeitszeit über die Runden.

Aber ich war groggy. Müde. Sauer. Und machte meinem Ärger dann auch in Form einer kritikbehafteten Mitteilung an die Fahrdisposition etwas Luft. Dann ging ich Sonntag Mittag bei strahlenden Sonnenschein erst mal ins Bett. Die beiden Arbeitstage am Montag und Dienstag gingen dann doch recht normal über die Bühne – anscheinend konnte ich meinen Körper in der Zwischenzeit doch zu genug Schlaf und Erholung verhelfen.

Von der Fahrdisposition bekam ich am Montag Rückmeldung. Sie war eine Mischung aus Bedauern ob der unglücklichen Dienstzuteilung und der Bitte um Verständnis, dass so ein Zürifäscht für alle Beteiligten viel fordert. Ausserdem bekam ich als kleines Entschuldigungsbonbon ein verlängertes Wochenende spendiert, sprich zwei zusätzlich Ruhetage.  Die ich gerade geniesse….

Geniesse … na ja, nicht ganz. Gestern an meinem ersten Ruhetag hat mich dann doch noch die Erschöpfung eingeholt. Ich bin schon lang nicht mehr so heftig in den Seilen gehangen wie gestern. Im Grunde hab ich den gestrigen Tag nur im Dreieck Sofa – Kühlschrank – Dusche verbracht. Das Sofa zum Ausruhen und rumhängen, den Kühlschrank für Ess- und Trinkbares und die Dusche zum Abkühlen bei den sommerlichen Temperaturen.

Heute geht es mir wieder besser. Aber das Zürifäscht 2016 war aus meiner Sicht wahrlich kein Grund zum Feiern.

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Zum Weltfrauentag…

…. offensichtlich ein Fake, also nicht vom ZVV!! Guerilla-Aufkleber an etlichen Billet-Automaten in Zürich.

Weltfrauentagsaufkleber

Weltfrauentagsaufkleber

Wenn man den angegebenen Link in sein Smartphone o.ä. töggelt, dann landet man auf einer Microseite des feministischen Kollektivs aktivistin.ch.

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Zeichen und Wunder

Es geschehen noch Zeichen und Wunder in dieser Vorweihnachtszeit.

Führerausweis

Führerausweis

Über acht Jahre fahre ich nun schon Tram in Zürich. Damals, als ich die Fahrschule abgeschlossen hatte, wurde ich bereits vorgewarnt: es würde noch eine Weile dauern, bis ich meinen Führerausweis erhalten würde, denn das BAV (Bundesamt für Verkehr) würde da etwas grundsätzlich umstellen, neu aufgleisen. Aber dass diese Angelegenheit über acht Jahre dauern würde, hätte ich damals nicht zu träumen gewagt. Heute bekam ich ein Einschreiben. Inhalt: Dieser um 8 Jahre verspätete Ausweis.

Ja ist denn heut scho Weihnachten??
In den Zwischenjahren verkam die Sache nämlich zu einem Treppenwitz: „Hast du deinen Führerausweis schon?“ – „Zum Glück nicht, kostet mich doch nur 150 Stutz Ausstellungsgebühr“. So oder ähnlich verliefen die Gespräche mit KollegInnen.
Und so falsch ist das auch gar nicht.

Denn zusammen mit diesem Stück Plastik kam auch die Rechnung. Gna gna…..

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Schoggitram Dernière

Es war bereits mein dritter Einsatz mit dem „Elefanten„, seit ich vor einigen Wochen in der Fahrschule gelernt hatte, dieses 85 Jahre alte Tram zu steuern. Für die Confiserie Honold war der vergangene Sonntag zugleich die Dernière des diesjährigen Schoggitrams.

In Sachen Spezialfahrten (in Zürich) kann man das Schoggitram sozusagen als „Einstiegsdroge“ betrachten. Es ist mit nur 10 CHF Fahrpreis die billigste Gelegenheit, mal mit so einer alten Strassenbahn zu fahren. Während man 30 Minuten lang gemütlicher durch Zürich rollt, bekommt man auch noch eine feine heisse Schokolade serviert, dazu ein paar süsse feine Pralinés. Aber wie gesagt, es fuhr am Sonntag zum letzten Mal. Nächstes Jahr dann wieder im November 2016 – dann fährt es wieder.

Für mich macht sich langsam eine gewisse Sicherheit beim Bedienen dieses historischen Trams bemerkbar. War die erste Fahrt doch noch eine recht ungewohnte und äusserst anstrengende und konzentrierte Angelegenheit, so eintwickeln sich nun doch schon die ersten Automatismen beim Bedienen der Hebel und Kurbeln. Darüber bin ich doch sehr froh. Ein Fortschritt in Sachen Fahrkomfort und Fahrtsicherheit.

Aber es ist noch viel Luft nach oben. Und der zum Glück kommt mein nächster Einsatz auf einem unserer Oldtimer bestimmt sehr bald. Schliesslich ist ja derzeit Fondue-Tram-Saison!!

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Überraschende Aufmerksamkeit

Keine nette Geste unseres Betriebs heute morgen. Ich bekam dieses Präsent am Central zugesteckt…

Getrocknete Mangos

Getrocknete Mangos

Das beiliegende Kärtchen offenbart dann aber auch, dass mit dieser kleinen und überraschenden Aufmerksamkeit durchaus für etwas geworben werden soll. Es geht dabei um das Miteinander von Tram- und Busfahrern im Strassenverkehr. Sowie um gegenseitige Rücksichtnahme und zuvorkommendes Verhalten gegenüber dem anderen.

Jeder kennt das ja: Der Autofahrer schimpft auf die Brummifahrer, die auf Buschauffeure, und alle sowieso auf die Velofahrer. Die wiederum wieder auf alle anderen. Die anderen sind, so scheint es, immer die Rowdies. Sich selbst an die Nase zu fassen ist eine unpopuläre Sache. Und so in etwa ist manchmal eben auch das Verhältnis zwischen einigen Busfahrern und den Trampiloten unseres Betriebs. Warum auch immer.

Nur zwei Stunden später sah ich zwei Kollegen, die sich am Kunsthaus/Zürich in einer Begegnungssituation gegenseitig das Leben schwar gemacht hatten. Dort ist die Gefahr, dass der Trolleybus mit dem Heck ein kreuzendes Tram berührt. Genau dieses Stelle wurde auch schon Weiterbildungen thematisiert. Und trotzdem haben wir Kollegen, die das wohl nicht kennen. Und die entweder noch nicht jenes Geschenk heute erhalten haben. Oder … ach was rege ich mich eigentlich auf? Bin nur froh, dass es glimpflich ausgegangen ist.

Ich jedenfalls finde die Idee mit dem kleinen Aufsteller im Alltag gut. Und ich unterstütze auch voll und ganz die Aufforderung meines Betriebs, dass wir uns gegenseitig im Strassenverkehr professionell und rücksichtsvoll geben. Das – so meine Meinung – bringt uns nämlich zweifach weiter. Zum einen dient es der Sicherheit, und zum zweiten dem Ansehen und Bild, das andere sich von unserem Verkehrsunternehmen machen.

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Wieder in der Fahrschule…

Zwei höchst interessante Tage in der Fahrschule auf historischen Trams liegen hinter mir. Die alten Damen – hier Be 4/4 Typ „Elefant“ – sind natürlich nicht ganz so einfach zu bewegen wie ein modernes Cobra oder Tram 2000. Aber es macht einen Riesen Spass, diesen wunderschönen Fahrtregler aus Messing im Kreis zu „wuchten“ und damit die Oldtimer durch Zürich zu bewegen.

Wir (2 ArbeitskollegInnen und ich)  wurden auf zwei verschiedenen Tramtypen geschult: Zum einen auf dem sogenannten Sächsitram, intern auch Schnellläufer genannt. Und am zweiten Tag dann auf dem hier auch abgebildeten Elefanten. Diesen Übernamen bekamen diese Trams, weil sie gegenüber den vorgängigen Sächsitrams viel schwerer und auch viel leistungsstärker waren. Elefantenstark eben.

Von der Fahrsteuerung sind die beiden Oldtimer recht ähnlich, jedoch ist das Verhalten der unterschiedlich schweren Maschinen doch höchst unterschiedlich. Die 85 Jahre alten Schnellläufer rumpeln und knattern lautstark über jede Gleiskreuzung und durch enge Kurven, wogegen die etwas jüngeren Elefanten fast schon elegant durch die Strassen rollen. Dafür ist dort der (für die Beremsluft notwendige) Kompressor nicht gerade leise.
Ich freue mich jedenfalls auf die ersten Sonderfahrten! Yeah!!

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