Unsere alten Trams 2000

Tram 2 am Letzigrund

Tram 2 am Letzigrund

Die Verkehrsbetriebe Zürich fahren zum Teil noch mit Tramzügen, die inzwischen mehr als 30 Jahre alt sind, die Trams der Serie 2000. Diese Wägen stammen noch aus einer Zeit, in der Niederflur-Strassenbahnen gerade erst populär wurden. Niederflurige Trams haben für die Fahrgäste den entscheidenden Vorteil, dass man stufenlos ein und aussteigen kann. Oder sagen wir mal: Eintreten und verlassen kann. Gerade für Mütter mit Kinderwägen, Rollstuhlfahrern und natürlich auch für ältere Fahrgäste sind solche stufenlose Fahrzeuge ein echter Segen. Genau diesen Vorteil haben diese alten Fahrzeuge leider nicht.

Eigentlich würden wir (also die VBZ) ja ganz gern schon mit mehr niederflurigen Fahrzeugen verkehren. Aber die Beschaffung neuer Fahrzeuge ist in den letzten Wochen ins Stocken geraten, weil ein politisches und machtspielerisches Hickhack gerade hinter den Kulissen läuft, welches allen Beteiligten eigentlich nur schadet – so zumindest meine persönliche Meinung.

Wie auch immer, wir müssen halt mit den alten Wägen noch eine Weile auskommen. Mich persönlich als Tramführer stört das eigentlich weniger. Die Wägen lassen sich recht angenehm fahren, mein Arbeitsalltag ist deswegen also nicht benachteiligt. Ich habe sogar viele Arbeitskollegen (und Kolleginnen), die die alten „Hobel“ viel lieber fahren als unseren neueren Cobra-Trams. Aber das ist Geschmackssache.

Jedoch leiden die alten Fahrzeuge so langsam aber sicher an etlichen Alterskrankheiten. Weil es inzwischen schierig wird, für bestimmte Sachen Ersatzteile zu bekommen. Zum Glück ist die VBZ ein Betrieb, der notfalls eine grosse Fertigungstiefe erreichen kann. Will heissen, wenn wir irgendein Ersatzteil nicht mehr über den Markt bekommen, dann machen wir das eben selbst. Aber das dauert dann doch ein bisschen. Und manchmal scheut man auch die damit verbundenen Kosten angesichts der Tatsache, dass so Fahrzeuge ja sowieso bald ausgemustert werden sollen. Unsere Zielanzeigen sind so ein Problem. Die sind in die Jahre gekommen. Die Bänder und die dazugehörigen Motoren und Mechaniken zum Hin- und Herwalzen sind im Grunde am Ende. Was dazu führt, dass diese Zielanzeigen nicht mehr zuverlässig funktionieren und gerne mal an falscher Stelle stehenbleiben, somit falsche Endziele anzeigen. Oder unsere Türen. Manch Türstörung bei unseren alten Wägen ist darauf zurück zu führen, dass irgendwelche alten Relais-Bauteile nicht mehr so tun wie sie sollen.

Leidtragende (an dieser stockenden Neubeschaffung) sind in erster Linie unsere Fahrgäste. Zur Zeit verkehren wir auch fast allen Linien derart, dass meist auf ein altes Tram ein niederfluriges Fahrzeug folgt. Dann wieder ein altes Tram 2000, dann wieder Cobra oder Sänfte. Damit Fahrgäste nicht zu lange warten müssen, wenn sie – warum auch immer – auf einen stufenlosen Einstieg angewiesen sind.

Vor einigen Tagen fuhr ich auf der Linie 9 so ein Tram 2000. Die beiden Fahrzeuge vor mir waren auch beides alte 2000er. Keine Ahnung warum. Vielleicht hatte das Niederflurtram vor mir irgendwann am Morgen einen Defekt, musste ausgetauscht werden, und man hatte halt grade nur ein 2000er zur Hand als Ersatz. Ich weiss es nicht. Aber ich bekam dann den Unmut etlicher Fahrgäste mit, die nun doch schon recht lange auf ein Niederflurtram gewartet hatten. Das war für mich dann doch etwas anstrengend.

Auch darum meine Bitte, ja mein Aufruf an alle Beteiligten rund um die Trambeschaffung in Zürich: Hört endlich mit dem Affentheater auf und bringt das über die Bühne!! Jetzt!!

 

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