Müde vom Zürifäscht

Orang-Utan im Hagenbeck Tierpark Hamburg

Orang-Utan im Hagenbeck Tierpark Hamburg

Alle drei Jahre wird Zürich zum Tollhaus. In der gesamten Innenstadt werden Fressbuden, Getränkestände, Fahrgeschäfte, Attraktionen, Abfallcontainer und Zusatztoiletten aufgebaut. Und dann kommt für drei Tage die halbe Schweiz in die Limmatstadt und lässt die Sau raus.

Trampiloten und Buschauffeure hingegen haben an diesen Tag eher wenig zu feiern. Denn wir fahren zwei Nächte lang durch, transportieren Feuerwerksbesucher, Partygänger, Alkoholleichen und delirant Ausfällige dann kreuz und quer durch die Stadt. Na ja, nicht gerade durch die Stadt, denn die Innenstadt ist ja Partymeile, aber aussenherum dann schon.

Mich hat es dieses Jahr recht bös getroffen. Mein Dienstplan sah vor, dass ich sowohl am Freitag als auch am Sonntag arbeiten sollte. Dazu kam, dass ich bereit am Freitag vier Arbeitstage (von Montag an) in den Knochen hatte, und dass ich über den Sonntag hianus noch bis Dienstag würde fahren müssen. 5 Tage Arbeit, 1 Tag frei, 3 Tage Arbeit, dann erst wieder ein „Wochenende“. Soweit zur Theorie.

Durch ein unglückliche Dienstzuteilung hatte ich aber dann in der Nacht von Freitag auf Samstag eine Nachtschicht zugeteilt bekommen. Ich pilotierte mein Tram von 10 Uhr abends bis in der Früh um halb 8. Und am Sonntag bekam ich einen Frühdienst zugeteilt, der um 4 Uhr morgens anfing. Mein eigentlich vorgesehener Ruhetag am Samstag löste sich somit in Schall und Rauch auf. Ich war nicht sehr erfreut (gelinde ausgedrückt), aber ich nahms auch sportlich und ging die Sache an.

Wenn ich schlafen wollte, sollte ich arbeiten, und wenn ich dann noch nicht müde war, hätte ich schlafen sollen, um für die folgenden Stunden wieder fit zu sein. Dass man nur sehr schlecht auf Vorrat „vor“-schlafen kann (ich jedenfalls nicht), sollte eigentlich jedem bekannt sein, der schon mal im Schichtdienst gearbeitet hat. Und das hatte dann zu Folge, dass ich am Sonntag kurz vor Schichtende beinahe kapitulieren musste. Ich war drauf und dran, mich wegen akuter Müdigkeit ablösen zu lassen. Ein starker Kaffee an einer Endhaltestelle und was Süsses (für einen Blutzucker-Push) brachten mich dann aber noch die restlichen 90 Minuten meiner Arbeitszeit über die Runden.

Aber ich war groggy. Müde. Sauer. Und machte meinem Ärger dann auch in Form einer kritikbehafteten Mitteilung an die Fahrdisposition etwas Luft. Dann ging ich Sonntag Mittag bei strahlenden Sonnenschein erst mal ins Bett. Die beiden Arbeitstage am Montag und Dienstag gingen dann doch recht normal über die Bühne – anscheinend konnte ich meinen Körper in der Zwischenzeit doch zu genug Schlaf und Erholung verhelfen.

Von der Fahrdisposition bekam ich am Montag Rückmeldung. Sie war eine Mischung aus Bedauern ob der unglücklichen Dienstzuteilung und der Bitte um Verständnis, dass so ein Zürifäscht für alle Beteiligten viel fordert. Ausserdem bekam ich als kleines Entschuldigungsbonbon ein verlängertes Wochenende spendiert, sprich zwei zusätzlich Ruhetage.  Die ich gerade geniesse….

Geniesse … na ja, nicht ganz. Gestern an meinem ersten Ruhetag hat mich dann doch noch die Erschöpfung eingeholt. Ich bin schon lang nicht mehr so heftig in den Seilen gehangen wie gestern. Im Grunde hab ich den gestrigen Tag nur im Dreieck Sofa – Kühlschrank – Dusche verbracht. Das Sofa zum Ausruhen und rumhängen, den Kühlschrank für Ess- und Trinkbares und die Dusche zum Abkühlen bei den sommerlichen Temperaturen.

Heute geht es mir wieder besser. Aber das Zürifäscht 2016 war aus meiner Sicht wahrlich kein Grund zum Feiern.

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