Individuelle Dienstplanung – erstes Fazit

Meine Arbeitgeberin strickt schon seit Jahren an einer „Individuellen Dienstplaung“ (IDP). Der Gedanke hinter diesem Kürzel IDP ist schlicht und raffniert zugleich. Jeder Fahrdienstmitarbeiter (der beim IDP mitmacht) kann sich seine freien Tage und seine Schichtlagen an den Arbeitstagen wünschen. Eine Software rechnet dann ein für alle möglichst befriedigendes Ergebnis aus.
Das funktioniert natürlich nur gut, wenn wir Tramführer und Busfahrer unterschiedliche Wünsche eingeben. Will bspw. jeder an Silvester frei haben, dann werden doch etliche diesen Wunsch nicht erfüllt bekommen.

IDP

IDP

Seit Herbst 2016 läuft nun im Depot 4 (in dem ich arbeite) ein IDP-Pilotprojekt. Bei dem ich mitmache. Zeit, ein erstes Fazit zu ziehen.

1. Freie Tage

Im Zeitraum von Oktober 2016 bis März 2017 habe ich mir 77 mal einen freien Tag gewünscht. Davon wurden mir 72 mal der Wunsch erfüllt, 5 mal nicht.
Daneben teilte mir das System noch eine ganze Reihe freier Tage zu, die ich gar nicht eingegeben habe. Die nehme ich zwar gerne an, aber ich lasse diese Tage nicht in die Berechnung einfliessen.
Erfüllungsquote freie Tage: 93.5 %

2. Schichtlagen

An den Tagen, die ich arbeite, habe ich zwischen 1. Oktober 2016 und 15. Februar 2017 insgesamt 72 Eingaben für bestimmte Schichtlagen getätigt. Also bspw. einen Spätdienst am 27.12. und 28.12. usw… Von diesen 72 Eingaben wurden mir 64 exakt erfüllt, die restlichen 8 wurden mir zwar nicht erfüllt, aber die zugeteilte Schichtlage ist zumindest nahe am eingegebenen Wunsch (also maximal um 2-3 Stunden veschoben).
Letzlich musste ich jedoch nur einen einzigen privaten Termin in diesem Zeitraum verschieben. Was dann 71 von 72 mir angenehmen Schichtlagen entspricht.
Erfüllungsquote Schichtlagen: 88.9 % (bzw grosszügig gesehen 98.6 %)

3. Wünsche mit Prioritätspunkten

Wenn uns ein Wunsch (frei oder Schichtlage) wichtig ist, können wir diese Eingaben mit sog. Prioritätspunkten gewichten. Monatlich stehen uns eine gewisse Anzahl diser Prio-Punkte zur Verfügung.
Sämtliche Wünsche, die ich gewichtet habe, wurden mir bisher erfüllt.
Erfüllungsquote bei Prio-Punkt-gewichteten Eingaben: 100 %

4. Fazit und Anmerkungen.

Volltreffer!! Mehr kann ich dazu nicht sagen. Ich bin hochzufrieden.

Von Arbeitskollegen höre ich jedoch, dass nicht jeder so zufrieden mit IDP ist. Wohl nicht bei jedem ist die Erüllungsquote so hoch wie bei mir. Warum dies so ist, kann ich natürlich nicht wissen, aber ich habe ein paar Erklärungsansätze.

  • Ich habe mir relativ oft die vielerorts unbeliebten „Zweiteiler“-Dienste gewünscht. Viele Fahrer mögen diesen Dienste nicht, weil sie meist eine sehr lange Pause zwischen den beiden Diesntteilen haben. Ich jedoch komme mit den „Zweiteilern“ gut zurecht, weil ich dann heimgehe und daheim den Tag nutze – kurzer Arbeitsweg sei Dank.
  • Ich arbeite nur zu 80%. Das engt mich in Sachen Arbeitszeitgesetz (AZG) bei weitem nicht so ein wie Kollegen, die zu 100% arbeiten. Dementsprechend stösst die Software bei mir wohl weniger an das sog. „AZG-Korsett“, wenn es die Diesnte berechnet.
  • Ich habe bei den Eingaben darauf geachtet, dass die nächtlichen Ruhezeiten nicht kurz sind. Denn genug Schlaf während der Arbeitswoche ist mir wichtig. Auch wenn das bedeutet, dass der letzte Tag der Arbeitswoche vielleicht nicht schon am frühen Nachmittag zu Ende ist. Schichtwünsche mit etwas längeren Nächten kann das System aber leichter erfüllen, weil (siehe oben) der Spielraum in Bezug auf das AZG grösser ist.

Wenn es also nach mir ginge, dann sollte IDP unbedingt übe die Testphase hinaus weiter angeboten werden. Ich will nicht mehr in den Turnus zurück.

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Ein Kommentar zu Individuelle Dienstplanung – erstes Fazit

  1. Jürg Hunziker sagt:

    Guten Tag Tramblogger Peter
    Deine Erfahrungen und Dein Fazit freut mich riesig als verantwortlicher Projektleiter!
    Deine Werte decken sich mit meinen Analysen bei der Wunscherfüllung Ruhetage wie Schichtlagen. Auch Deine Erfahrung, dass – wenn ein Wunsch nicht erfüllt werden kann, da zu viele andere den gleichen Schichtwunsch haben – , passt zur recht raffinierten Software. Die Software sucht Dir immer einen Dienst, der möglichst wenig vom Wunsch abweicht. Zum Beispiel, wenn Du Frühdienst wünschst, aber es zu wenige Frühdienste gibt, erhältst Du in der Regel einen Vorfrüh, der recht früh endet.
    Unsere Erfahrung ist, dass auch 100% Arbeitende die gleich gute Wunscherfüllung haben wie Teilzeitarbeitende.

    Eine Bemerkung zur Zufriedenheit:
    Unsere Beobachtung ist, dass die Fahrdienstmitarbeitende sehr unterschiedliche Erwartungen an die Wunscherfüllung haben :-). Wer die Erwartung hat, dass alles erfüllt wird, wird von IDP enttäuscht, da halt nicht alles machbar ist, wie Du am Beispiel Silvester siehst, wo nur rund 70% der Freiwünsche erfüllt werden konnten.

    Es freut mich, dass Du dabei bleiben möchtest und wir werden das Mögliche tun, dass Dein Wunsch im Sommer erfüllt werden kann!

    So wünsche ich Dir ein schönes und erfolgreiches 2017!

    Liebe Grüsse
    Jürg Hunziker, Projektleiter IDP bei den VBZ

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